Abends in einer Kneipe, jeder Tisch ist besetzt – viele sind zu zweit hier, andere zu viert, manche alleine. Alle haben ein Getränk ihrer Wahl vor sich, so weit so normal. Bei näherem Hinsehen fällt auf, dass keine Gespräche zu hören sind und alle Kopfhörer tragen: die Kneipe ist am heutigen Abend eine Audio-Vinothek, die Gäste haben sich eingefunden, um ehrlichen Erzählungen über Sex zuzuhören. Jede:r Besucher:in kann aus einer Fülle von Stimmen selber auswählen und während gut achtzig Minuten Menschen unterschiedlichen Alters und Geschlechts zuhören, die davon berichten, wie sie im Laufe ihres Lebens Sex neu gelernt haben.
Mats Staub und Anna Papst arbeiten seit vielen Jahren interviewbasiert, ihre Arbeiten sind Kunstprojekte im Spannungsfeld zwischen Theater, Ausstellung und Literatur – nachdem sie einander gegenseitig bei mehreren Produktionen dramaturgisch unterstützt haben (Zehn wichtigste Ereignisse meines Lebens 2013, Ein Kind für alle 2015, Freigänger 2019), erarbeiten sie mit INTIME REVOLUTION ihr erstes gemeinsames Langzeitprojekt:
Bei INTIME REVOLUTION versuchen verschiedenste Menschen, ihr erotisches Empfinden in Worte zu fassen und ihrem Begehren Sprache zu verleihen. Als Pionier:innen in diesem Feld entpuppen sich dabei Menschen, deren Weg zu einer befriedigenden Sexualität hindernisreicher war als der eines:r Durchschnittsbürger:in. Weil sie erst weit über dreissig Sex erlebt haben, der sie befriedigt hat. Oder weil sie in Gesellschaften aufwuchsen, in denen Sex ein Tabu ist. Oder weil sie mit einer körperlichen Behinderung leben. Wenn Sex, bzw. der Sex, den ich will, nicht „einfach irgendwie passiert“, muss ich lernen darüber zu sprechen.
INTIME REVOLUTION kam August 2022 bei der Ruhrtriennale in Bochum zur Uraufführung und beim Zürcher Theater Spektakel zur Schweizer Erstaufführung.
