Rentner Ueli fühlt sich im Löwenkostüm jung und stark. Die Pflegefachfrau Patrizia verkleidet sich am liebsten als Fantasiewesen mit Spaghetti-Sieb auf dem Kopf und Taucherflossen an den Füssen. Ralf steht lange vor dem Spiegel, bis er – mit Schminke, Kleid und Perücke –
zu Vanessa wird. Und die schüchterne Sandra feilt seit Jahren an ihrem Zombie-Look.
Ob Fasnacht oder Halloween, Mittelaltermarkt oder Gothicparty, Dragshow oder Cosplay: Viele von uns tragen von Zeit zu Zeit Sachen, die sie sonst nicht tragen. Was passiert mit uns in den Momenten dieser Verwandlung? Sind wir kostümiert jemand anderes oder kommt dann erst unser wahres Ich zum Vorschein? Warum trauen wir uns, im Fursuit jemanden anzusprechen, geraten in Jeans und Shirt aber
ins Stottern? Und sind nicht auch Jeans und Shirt ein Kostüm?
Die Autorin und Regisseurin Anna Papst spricht mit Menschen aus Luzern über die Kraft der (Ver-)kleidung. Die Gespräche werden zu einem Text verdichtet, der Einblick in persönliche Geschichten gibt. In einer spartenübergreifenden Produktion machen Musik, Tanz, Sprache und Bühnenbild die Verwandlung greifbar, die in uns vorgeht, wenn wir in andere Hüllen schlüpfen.
Mit dem Choreographen Dario Dinuzzi, dem Musiker Raphael Loher, dem Bühnenbildner Renato Grob und der Kostümbildnerin Zoé Brandenberg ist ein junges Team Künstler:innen am Werk, das einen frischen Blick auf eine alte Tradition wirft.
